top banner

Dietrich Rönisch

Unsere „Toten" leben!

Eine Gedankenfolge über das Leben, das Sterben und was uns danach im Zwischenzustand erwartet

 

Unsere Toten leben

Download   PDF  596 KB

 

Dieses Buch möchte seinen Leserinnen und Lesern etwas von ihrer Ahnungslosigkeit demgegenüber nehmen, was uns nach dem Sterben erwartet. Da das, was eigentlich vordringliche Aufgabe aller Kirchen ist, Menschen auf ihren Eingang in das Reich Gottes vorzubereiten, diese Information aber in der Regel unterbleibt, habe ich versucht, nachholend auf fundamentale Versäumnisse von uns Menschen hinzuweisen, die Gott daran hindern, uns nach dem Sterben in Seine Nähe zu holen. Allen, die zu gut für eine wie immer geartete „Hölle“, aber noch nicht gut genug für den „Himmel“ sind, ist dieses Buch ein Denkanstoß.

In einem Berliner Gemeindeblatt habe ich, ein pensionierter Pfarrer, zunächst in unabhängig voneinander erscheinenden Folgen, nicht über Gespenstergeschichten, wohl aber über das Wesen des Menschen, über seine Lage vor Gott, über unsere Beziehung zu unseren Verstorbenen, auch über die Möglichkeit verschiedener Erdenleben sowie über den Ausgang dessen, was am „Ende“ sein könnte, an Hand biblischer und nachbiblischer Zeugnisse in unorthodoxer Weise informiert. Dem interessierten Leser bietet das Buch eine Fülle von Literaturhinweisen.

 

  Inhaltsverzeichnis
  Vorwort
  Einleitung
1 „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“
2 „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst“?
3 Nochmals gefragt: „Was ist der Mensch, dass Du (Gott) seiner gedenkst?“
4 Am Anfang war die Erfahrung
5 „Ihr sollt Mir ein Heiligtum bauen, damit Ich unter euch wohne!“ (2.Mose 25)
6 „Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und wüst; aber wohl dem, der auf Weisung achtet (Spr. 29).“
7 Warum unsere Kenntnisse über das Leben nach dem Sterben so lückenhaft sind
8 Schläft unsere Seele nach dem Sterben?
9 Steht allen Getauften gleich nach dem Sterben der Himmel offen?
10 Warum evangelische Christen so wenig über den Zwischenzustand Verstorbener wissen.
11 Selbstmord – Freitod – Suizid?
12 „Die den Herrn fürchten, machen ihr Herz bereit.“(Sir.2)
13 Ein Exkurs über die Bleibstätten der Verstorbenen
14 Gibt es vor Gott „Verlorene“?
15 Wie uns die Berichte Verstorbener über das jenseitige Leben zu einer Hilfe für unser Leben werden können.
16 Bist du ein Leichtgewicht des Glaubens?
17 Kennt die Bibel die Idee mehrerer Leben nach dem Sterben auf dieser Erde?
18 Kann unser Gott, der die Liebe in Person ist, Menschen ewig verdammen und quälen lassen?
19 Versöhnt sich Gott am Ende der Zeiten mit allen und allem?
  Ausblick
  Literaturverzeichnis

Selbstmord - Freitod - Suizid?
(Buchauszug - Kapitel 11)

Ein weises Wort der Bibel besagt: „Alles hat seine Zeit.“ Wer die Tagespresse und die Boulevardpresse liest und die aktuellen Talkshows einschaltet, gewinnt den Eindruck, als haben jetzt die Themen „Tod“, „Sterben“ und „Sterbenwollen“ ihre Zeit. Im Bundestag diskutieren die Abgeordneten aller Parteien darüber, ob eine einheitliche Regelung zu finden sei, wie man das Sterbenwollen und das Sterbenmüssen sinnvoll miteinander verbinden könne, ohne dabei ärztliches Standesethos zu verletzen. Noch driften die Meinungen auseinander, und dem Zeitungsleser wird nicht klar, ob es sich bei dieser parlamentarischen Debatte in erster Linie darum handelt, dem Menschen seine Würde zu belassen und ihm grundsätzlich die Freiheit zuzusprechen, auch (noch) Herr über sein Lebensende werden zu können oder ob der Gedanke siegen soll, dem Menschen das Recht, das wir längst unseren Haustieren zugestehen, nämlich dann, wenn die Schmerzen unerträglich sind oder wir das Ende wünschen, zu selbstbestimmter Zeit sterben zu dürfen. Vielleicht geht es aber auch nur darum, den Medizinern mit einer Rechtsgrundlage ein ruhiges Gewissen zu verschaffen, wenn an sie der Wunsch herangetragen wird, einem Menschen nicht zum Leben sondern zum Sterben zu verhelfen und sie diesem Ansinnen entgegen ihres geleisteten Hippokratischen Eides entsprechen. Erstaunlicherweise fällt bei allem diskutiertem Für und Wider beim Töten das Wort „Gewissen“ so gut wie nicht, jedenfalls nicht im Blick auf den Patienten. Warum soll nur der Arzt nach seinem Gewissen entscheiden? Schließlich ist unser Gewissen die uns allen von Gott gegebene innere Stimme, die uns das Gute von dem Bösen unterscheiden lässt. Wie manipulierbar allerdings unser Gewissen durch Sitte und Gesellschaft ist, dürfte unbestritten sein. Sollte man daher vielleicht an die Stelle einer eingeforderten Gewissensentscheidung eher auf das göttliche Gebot „Du sollst nicht töten!“ verweisen, das – wörtlich nicht vom „Töten“ sondern vom „Morden“ spricht? „Du sollst nicht morden!“ Ist nun Selbstmord ein Mord? Macht der Freitod frei? Ist der verwendete Begriff „Suizid“ nur ein Ausweichmanöver, um sich begrifflich nicht festlegen zu müssen? Wie dem auch sei.

Mir scheint es, wir kämen in dieser Debatte einen Schritt weiter, wenn wir an einer ganz anderen Stelle ansetzten, dort nämlich, wo wir Christen, vorrangig also unsere Kirchen, anzusetzen hätten, indem wir und sie nach den Folgen fragten, den ein Selbstmord hat – und zwar zunächst für den Menschen, der sich getötet hat bzw. der sich hat töten lassen. Anders gesagt: Ich frage danach, wie es einem Menschen ergeht, der nach dem Sterben von der irdischen in die unsichtbare Welt hinübergewechselt ist. Dazu sei angemerkt, dass es noch kein Mensch bisher geschafft hat, sich das Leben zu nehmen! Gottgegebenes Leben endet niemals im Selbstmord! Es ist und bleibt ein fundamentales Missverständnis, wenn Menschen, die sich selbst umbringen oder umbringen lassen wollen, meinen, sie könnten ihren Lebens- und Leidensweg abkürzen. Der uns von Gott bestimmte Weg des Lebens muss von uns konsequent zu Ende gegangen werden. Nur er führt auf kürzestem Wege zu dem von Gott gesetzten Ziel, zu dem Ziel der Vergeistigung des Menschen. Wohl vermögen wir unseren irdischen Weg zu verkürzen, also etwas von seiner zeitlichen Dauer hier auf Erden abzubrechen, aber zu dem uns von Gott gesetzten Ziel muss unser Leben dennoch führen. Das berichten uns kompetente Zeugen immer wieder. Allerdings kann dieses Ziel nach dem Sterben nur unter weit schwierigeren Bedingungen als auf Erden erreicht werden.

An dieser Stelle möchte ich – und zwar kommentarlos – einige Zeugen zu Wort kommen lassen, die kompetent sind, über Selbstmörder-Schicksale mehr Licht zu verbreiten. Bei dieser Auswahl habe ich mich frei gemacht von den eventuellen Einwänden meiner Leser, die einwenden könnten: „Es ist bisher noch keiner von den Toten zurückgekommen“ oder „Von Spiritismus und dergleichen halte ich nichts“ oder „Wo steht das in der Bibel?“ oder „Ich glaube nicht an die Existenz von Geistwesen, nicht einmal an Engel“, oder „Woher will der Rönisch das wissen?“ Mir geht es nicht darum, zu diesen Einwänden Thesen oder Antithesen zu entwickeln. Mir geht es darum, auf die Not und auf das späte Bedauern einer Seele hinzuweisen und aufmerksam zu machen, die nicht mehr rückgängig machen kann, was sie sich selbst durch Selbstmord oder ihr die Ärzte durch ihre Beihilfe zum Selbstmord angetan haben.

In einem Bericht eines deutschstämmigen amerikanischen Nervenarztes, der durch ein Medium zu einem Gespräch mit den verstorbenen Selbstmördern befähigt war und diese selbst erzählen ließ, berichtet zusammenfassend: „Das Schicksal eines Selbstmörders ist in der Regel ein äußerst jämmerliches, denn seine übereilte Tat hält ihn in der Erdsphäre solange fest, wie sein Leben bis zu seinem natürlichen Ende gedauert haben würde.“ Der Arzt machte die Selbstmörder-Schicksale an vielen Hundert Beispielen anschaulich. So berichtet z. B. eine junge Frau, die unser Arzt aus Europa kannte, wo sie in einer Sonntagsschule – wir sagen „im Kindergottesdienst“ – unterrichtet hatte, von ihrem Schicksal nach ihrem Hinübergang. Sie erzählt: Nachdem ich in der Geisterwelt erwachte „wußte ich immer noch nicht, was eigentlich los war, bis ich sah, wie eine Anzahl böser Geister um uns herumstanden und uns auslachten. Sie hatten mich überfallen und mich dahingehend beeinflußt, mir das Leben zu nehmen in der Absicht, unser häusliches Glück zu zerstören. Mein Mann konnte den Anblick nie vergessen, wie er meine Leiche im Schuppen hängen sah. Meine Kinder waren klein und hatten meine Fürsorge nötig… Zehn lange Jahre hindurch habe ich nichts anderes vor Augen gehabt als diese unselige Tat… Sie wissen gar nicht, und können es sich auch nicht vorstellen, in was für eine Hölle Sie sich danach dann befinden… Obwohl ich doch besessen war, als ich die Tat beging, habe ich so leiden müssen.67

Bei einem deutschen Mystiker des 20. Jahrhunderts lesen wir folgendes: „Ein schweres Verbrechen, vom Geiste aus gesehen, ist der Selbstmord. Am schwersten ist die Schuld des Selbstmörders vielleicht dann, wenn er die Tat mit jener erhabenen Geste begeht, die so manchen anderen über ihre wahre Bedeutung hinwegtäuscht. Da ist jener berühmter Professor, der, plötzlich seines Augenlichtes beraubt, in Seelenruhe die Zwecklosigkeit des Weiterlebens feststellt, weil er seinen Studien nicht mehr in alter Weise obliegen könne, und nun, überlegen lächelnd, freiwillig in den Tod geht… Furchtbar gehen diesen Verblendeten die Augen auf. Ewig verwünschen sie sich und ihre Tat. Denn niemals können sie das Begangene wieder völlig gutmachen. Ein Wahn ist es zu glauben, mit dem Tod sei alles aus… Ein Wahn ist es aber ebenso zu glauben, man könne in einem nächsten Erdenleben ausgleichen, was man im Vorhergehenden zu vollbringen nicht die Kraft oder den Willen fand. Einmal nur ist dem Menschen die Last und der Segen des Lebens auf dieser Erde gegeben. Es geistig auszuschöpfen bis zum letzten, ist deshalb seine bedeutsame Aufgabe. Jeder Tag, den er hier nach dem Willen seines Schöpfers in geistiger Ordnung lebt, bringt ihn seinem Ewigkeitsziel näher als Jahre unserer Zeitrechnung in jenseitiger Entwicklung… Aber auch den Trost (von mir hervorgehoben) darf ich ihnen nicht vorenthalten… Denn wenn nicht Leichtfertigkeit oder hochmütig angemaßtes Selbstbestimmungsrecht den Menschen sein Leben achtlos wegwerfen läßt, dann sind die Auswirkungen der Tat wesentlich andere… Aus eigenem Erleben des Jenseitsweges derart verzweifelter Menschen kann ich berichten, daß ihnen so wirksam geholfen wird, daß sie sehr bald in erträgliche, ja glückliche Zustände gelangen, besonders wenn es innerliche Menschen waren.“68

Auch dem schuldhaften Selbstmörder stehen in jedem Fall Helfer bereit, schreibt der Mystiker. Denn Gott weiß am genauesten, wie er die Tat dieses Menschen zu beurteilen hat. Doch erst tiefe Leiden im Jenseits vermögen diese Unglücklichen innerlich so weit zu erschließen, dass sie ihre wahre Lage erkennen und einsehen, dass die harten Folgen ihres einst verzweifelten oder leichtsinnigen Entschlusses schließlich doch zu ihrem Besten sein müssen.

Der amerikanische Arzt Raymund Moody schreibt über eine Gruppe derer, die durch Selbstmord aus dem Leben schieden: Sie, die Selbstmörder, „mussten erleben, dass sie nach wie vor mit genau denselben Problemen konfrontiert waren, denen sie sich durch Suizid zu entziehen versucht hatten. Gleichgültig, was das für eine Sache war, der sie hatten ausweichen wollen, dasselbe Problem bestand weiter auf der anderen Seite und war genauso ungelöst wie zuvor.“69 Der bekannte Psychologe Carl Gustav Jung schrieb einst einer verzweifelten Patientin: „Die Idee des Selbstmordes, so menschlich begreiflich sie auch ist, erscheint mir nicht empfehlenswert…Vor der Zeit das Leben zu unterbrechen heißt, ein Experiment zum Stillstand bringen, das wir nicht angelegt haben. Wir haben uns darin vorgefunden und müssen es bis zum Äußersten durchführen.“70

Immer wieder wird in der Jenseitsliteratur darauf hingewiesen, dass die Lebensspanne jedes einzelnen Menschen genau bemessen ist und dass jene, die freiwillig vor dieser Zeit durch eine selbstverschuldete Tat sterben, so lange in einer erdnahen Sphäre sich aufhalten müssen, bis ihre vorgesehene Zeit abgelaufen ist. Dieses „selbstverschuldet“ bezieht sich auch auf jene, die, sei es durch unmäßiges Essen und Trinken, sei es durch Rauchen oder Drogenkonsum oder selbstverschuldete Krankheiten oder leichtsinnigerweise selbst verursachte Unfälle, ihr Leben stückweise oder abrupt verkürzt haben!

Bedenkt man, dass sich allein in Berlin laut Statistik täglich ein Mensch das Leben nimmt, dass sich jährlich in Deutschland rund 12000 Menschen das Leben nehmen, (wobei die Anzahl der Suizidversuche mindestens 10 -12mal höher eingeschätzt wird, also sich auf eine Zahl von 200000-400000 beläuft), so erkennen wir die Bedeutung, die hier eine seelsorgerliche Aufklärung ausrichten könnte und was diese für weitreichende Folgen für das Schicksal nicht nur der Betroffenen selbst, sondern auch für ihre Angehörigen in diesem und in dem folgenden Weiterleben hätte. Stehen wir also denen bei, die sich nach unserem Empfinden meinen, das Leben nehmen zu müssen, und verurteilen wir sie auf keinen Fall! Immer ist Vertrauen auf himmlische Helfer gut; Beistand, Aufklärung und Hilfe für die Gefährdeten so lange sie leben, ist aber bedeutend besser. Denn noch immer gilt: Wir sind unseres Bruders Hüter! 71 Gebe Gott, dass es immer wieder Menschen geschenkt werde zu verhindern, was Matthias Claudius bedauernd in einem Mehrzeiler72 so ausdrückt:

Auf einen Selbstmörder
Er glaubte sich und seine Not
Zu lösen durch den Tod
Wie hat er sich betrogen!
Hier stand er hinterm Busch versteckt;
Dort steht er bloß und unbedeckt,
Und alles, was ihn hier geschreckt,
Ist mit ihm hingezogen. –
Wie hat er sich betrogen!

Mögen am Ende unseres Lebens auch unsere Ärzte, unsere Parlamentarier und wir Pfarrer mit den uns Anvertrauten nicht die Betrogenen sein, weil wir meinten, der göttlichen Wahrheit ausweichen zu können.

67 Carl WICKLAND, Dreißig Jahre unter den Toten. Remagen, 4.A. 1957, S. 166ff

68 Carl WELKISCH, Der Mensch zwischen Geist und Welt. 3. Neu gefasste A. 1991, s. 63ff

69 Raymund MOODY, Nachgedanken über das Leben nach dem Tod. Hamburg 1978, S.63

70 C. G.JUNG, Briefe, Band II, Olten 1942, s.44f

71 1.Mose 49

72 Matthias CLAUDIUS, Sämmtliche Werke des Wandsbeker Bothen, VIII. Theil, 1812, S. 34; wieder abgedruckt in: Matthias Claudius, Sämtliche Werke. Verlag Winkler, München 1976, S.624f

 

nach oben