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Mystiker - Die ungeliebten Kinder des lehramtlichen Protestantismus

Mystiker - Die ungeliebten Kinder des lehramtlichen Protestantismus

Dietrich Rönisch

 

 

Mystikerschelte und Mystikerleid, nachempfunden
am Leben des Mystikers Carl Welkisch (1888-1984)

 

 

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Dieses Buch ist für Menschen geschrieben, die an der Kraftlosigkeit und an der fehlenden Ausstrahlung ihrer Kirche leiden. Immer mehr Menschen verlassen ihre Kirche, weil sie zwar Brot, aber wenig geistige Nahrung erhalten. Kaum ein Pfarrer scheint noch geistliche Wirklichkeit zu erleben, die der Gemeinde mitgeteilt, diese auferbaut. Der vor 50 Jahren von einem bedeutenden Theologen formulierte Satz, der Fromme von morgen müsse ein Mystiker sein oder er würde nicht mehr sein, bewahrheitet sich. Wo die Innerlichkeit verkümmert, vertrocknet der Mensch. Die Mystiker, die diesem Prozess entgegensteuern, bleiben uns Evangelischen unbekannt, wenn sie nicht von den Theologen karikiert werden. Warum dieser Verunglimpfungsprozess gegen Frömmigkeit und Innerlichkeit immer noch den lehramtlichen Protestantismus bestimmt, deutet diese Schrift an. Die Lebenserfahrungen eines zeitgenössischen evangelischen Mystikers und die ihm unrechtmäßig angetane Schelte sowie das ihm von Gott auferlegte stellvertretende Leiden helfen uns, in die Erfahrungswelt eines Mystikers einzutauchen und einen Teil des Segens zu empfangen, der von diesen Menschen ausgeht.
Jetzt ist die Zeit, eine unendlich scheinende Geschichte der bis dato verpönten Innerlichkeit zu wenden. Der für diese "Wendezeit" eintretende Autor ist jahrzehntelang Pfarrer einer evangelischen Kirchengemeinde in Berlin gewesen und weiß, was er den Mystikerinnen und Mystikern verdankt.

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

    Vorwort
    Einleitung
1   Von der Schwierigkeit, sich über Begriff und Wesen von Mystik zu verständigen
2   Der Reformator und „das Wort“
3   Das Wort ward Schrift und wohnt unter uns
4   „Wer anderen eine Grube gräbt…“
5   Carl Welkisch (1888 – 1984)
5.1   Wie Carl Welkisch den Geist des Menschen erlebt
5.2   Der Geist des Menschen in der theologischen Diskussion
5.3   Wie Carl Welkisch die Seele des Menschen erlebt
5.4   Die Seele des Menschen in der theologischen Diskussion
5.5   Wie Carl Welkisch den Leib des Menschen erlebt
5.6   Der Leib des Menschen in der theologischen Diskussion
5.7   Wie Carl Welkisch die Rechtfertigung durch Gott erlebt
5.8   Die Rechtfertigungslehre in der theologischen Diskussion
6   Verstehst du auch, was du liest? Anmerkungen zu Kurt Huttens massiver Welkisch-Kritik
6.1   Wer ist Dr. Kurt Hutten?
6.2   Huttens abenteuerliches Urteil über das Lebenswerk von Carl Welkisch
6.3   Gefangen im Kain-Komplex der lehramtlichen protestantischen Theologie
7   Ausblick
    Literaturverzeichnis

 

 

Einführung (Buchauszug)

 

Es sollte eine unendliche Geschichte sein, die der Junge Bastian Balthasar Bux lesen wollte, eine nie endende Geschichte, die, wie Michael Ende erzählt, im Buchladen des Herrn Karl Konrad Koreander begann und die dann den Jungen nach Phantasien in die unsichtbare Welt versetzt.

 

Es ist auch eine unendliche Geschichte, die ich erzählen muss, weil ich die Leser ein Stück weit begleiten möchte durch das Dickicht, das der lehramtliche Protestantismus in nahezu 500 Jahren hat um die wachsen lassen, die uns Kenntnis von der unsichtbaren Welt bringen. Es ist keine erfreuliche Geschichte, weil sie gespeist worden ist von sich immer wiederholenden Unterstellungen, Fehleinschätzungen und Diffamierungen. Ich spreche von der unendlich leidvollen Geschichte der Mystik innerhalb des lehramtlichen Protestantismus. Diese Geschichte ist auf weite Strecken hin so etwas wie eine fortgeschriebene Verunglimpfung all derer, die es wagen, eigene Gotteserfahrungen zu haben, und die auch noch den Mut aufbringen, ihrem Gottesauftrag folgend, über sie zu sprechen. Fünfhundert Jahre hindurch haben sie das Schicksal teilen müssen, von dem Goethe sagt: „Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen? Die wenigen, die was davon erkannt, Die töricht g’nug ihr volles Herz nicht wahrten, Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten, Hat man von je gekreuzigt und verbrannt.“1 Nur ist es in unserem Falle weniger der ahnungslose Pöbel, der hier verunglimpft, vielmehr sind es die in ihrer Mehrzahl das Volk führen sollenden Theologen. Wissen sie, was sie tun? Die Geschichte derer, die begnadet sind und waren, über den Zaun des festgeschriebenen biblischen Kanons nicht nur hinauszusehen, sondern auch Gott als einen unmittelbar nahen und sich zu erkennen Gebenden zu erleben, der heute wie zu allen Zeiten Anweisungen für das Leben gibt, hat mich schon als Theologiestudent gefesselt. Konnte das denn wahr sein, dass diese Frauen und Männer, die Gotteserfahrungen machten und machen, die von den Normalerfahrungen von uns Betern abweichen, allesamt, so wie es die geltende Lehre darstellt, nur Schwärmer, Geisterer, Enthusiasten und Teufelsdiener seien? Könnte es nicht vielmehr genau umgekehrt wahr sein: Die als Schwärmer, Geisterer und Enthusiasten Geziehenen sind – oder doch einige unter ihnen – die an die Stelle der alt- und neutestamentlichen Propheten Getretenen? Könnten es nicht gerade die Mystiker sein, die die bei den Schultheologen als abgeschlossen geltende endliche Geschichte der Heilsoffenbarungen Gottes fortschreiben? Was jedem ehrlich Suchenden das Herz sagt, müsste dem Verstand genauso einleuchten: Gott, der Herr, hat nie und zu keiner geschichtlichen Epoche aufgehört, durch menschliche Mittler den Seinen Hilfestellungen auch in Form von Weisungen angedeihen zu lassen! Der einst behauptete Gegensatz „Mystik – oder das Wort“2 entpuppt sich, je länger je deutlicher, als eine Fehlinterpretation der biblischen Botschaft. Keine Fehlinterpretation der biblischen Botschaft wird aber dadurch wahr, dass sie oft und zu allen Zeiten wiederholt wird. Sehe ich richtig, haben uns die Mystiker, hat uns der Mystiker Carl Welkisch Wahrheiten, die das Gros der Theologen als häretisch verurteilt, in einem klareren Licht zu sehen geschenkt.

 

Heute, als pensionierter Pfarrer, sehe ich es als eine Sternstunde meines Lebens an, im Jahre 1971 Carl Welkisch begegnet zu sein. Damals übersah ich noch nicht, welche Konsequenzen diese Begegnung für mein Leben haben würde. Weil ich einen lebenden Mystiker, Carl Welkisch, kennenlernen durfte, begann mich seine Geschichte und gleichzeitig auch die unendlich tragische Geschichte der Mystik innerhalb des deutschen Protestantismus überhaupt zu fesseln. Weil ich mit dem auf Carl Welkischs Lebensgeschichte erfolgten kirchenamtlichen Echo, das ich nicht nur als unangemessen, sondern auch als ungerecht empfinde, nicht leben will, schreibe ich im Ruhestand meine Erwiderung auf die platte einseitige Verurteilung, die von offizieller Seite den protestantischen Mystikern einerseits und Carl Welkisch insbesondere widerfahren ist. Mir geht es dabei nicht um eine Apologie „meines“ Mystikers Carl Welkisch; es geht mir viel mehr darum, nachzuprüfen, ob die als biblisch etikettierten Maßstäbe, nach denen die Phalanx der Mystikbeißer vorgibt, die Mystik beurteilen zu können, wirklich biblisch begründet und gerecht sind oder ob doch eher dogmatische Bindungen derartige Urteile provoziert haben. Im Grunde genommen geht es auch nicht darum, wie eine Konfession ihre Mystiker behandelt, sondern es geht darum, auf welche Weise Gott in Seiner Güte und Weisheit die Menschheit weiter bringen will durch die totale Hingabe einzelner Ihm ganz und gar hingegebener Menschen. Aus meiner Sicht kann es dabei nicht um eine „Widerlegung“ Andersdenkender oder um eine Bekehrung Uninformierter gehen, denn das, was Gottsuchern unter den Lesern bei der Lektüre der Mystiker zufällt, kann ohnehin nicht aus dem Verstand und dem rationalen Vermögen des Menschen kommen, sondern allein aus Gottes Geist. Ich bin weder berufen, die Gotteserfahrungen eines Mystikbegeisterten noch dem einen Mystikbestreiter zu verurteilen. Sehr wohl will ich mich bemühen, die Aussagen beziehungsweise Werturteile der einen wie der anderen Gruppe zu beurteilen. Beide Gruppen wissen um die Rechenschaft, die sie und wir alle einst vor dem Richterstuhl des Höchsten abzulegen haben.3 Spätestens dann wird sich zeigen, wer der Menschheit Wesentliches vorenthalten oder sie lediglich „gewarnt“ oder ihr die Augen für die göttliche Wirklichkeit geöffnet hat.

 

Andererseits fasziniert mich, wie Gott selbst durch die Mystiker in unsere Zeit hineinwirkt. So wie sich die frühen christlichen Generationen mit dem Ausbleiben des von Jesus Christus angekündigten Reiches Gottes auseinandersetzen mussten, indem sie darauf zuerst mit der Paulinischen, dann mit der Johanneischen Theologie antworteten, so antworten die Mystiker des 20. Jahrhunderts je auf ihre Weise auf die Geistvergessenheit und auf das durch die kirchliche Verkündigung heute verharmloste Gericht Gottes. Dass es dabei niemals um die Ehre eines Mystikers sondern nur um die Ehre Gottes geht, der unsere Generation durch Sein Eingreifen geistlich wachsen, reifen lassen und verändern will, darf nicht als selbstverständlich, aber doch nicht nur nebenbei erwähnt werden.

 

Vielleicht bewahrheitet es sich, was Walter Nigg 1959 schrieb: „Trotzdem die Mystik im offiziellen Protestantismus verpönt wurde, lebte sie verborgen in der evangelischen Christenheit weiter. Freilich wiederholte sich in ihr Luthers Schicksal, indem auch ihr Ja zur Mystik immer von dem öffentlichen Nein überdeckt blieb. Es ist dies nicht weiter verwunderlich, gehört doch die Heimlichkeit zum Wesen des mystischen Lebens, ansonsten es nicht mehr die heimliche Weisheit wäre.“4 Ist das nicht eine hoffnungsweckende Sicht, wenn die offiziellen Mystikbekämpfer ihre verborgene Weisheit hinter dem von den Lutherischen Bekenntnisschriften geforderten und im Amtseid auf diese bestätigten Nein zur Mystik in ein heimliches Ja verwandelt haben könnten? Gewiss: Allen Mystikbestreitern des Protestantismus wird diese Vermutung kaum gerecht werden. Aber weil es nur einige sind, auf die diese Sätze zutreffen, ist an diesen Stellen die unendlich scheinende Geschichte des Neins zur Mystik im lehramtlichen Protestantismus doch nur eine endliche und wir Protestanten näherten uns dem, was die übrige Christenheit schon immer wusste: Auf die Mystik verzichten heißt so viel wie auf das „alles durchdringende Ferment zu verzichten, was so viel bedeutet wie das Beste ausscheiden“.5 Möglicherweise ist ja unser Jahrtausend sogar das berufene, das aus der heimlichen eine anerkannte Weisheit werden lässt. Anderenfalls werden wir – ob wir es wollen oder nicht – einer noch weiteren geistigen Verkümmerung entgegentreiben und somit auf weiterführende Wegweisung „von drüben“ verzichten müssen. Öffnen wir uns hingegen der Mystik, könnte sich uns – zumal wenn wir uns mit der Mystik Carl Welkischs befassen – ein neues Paradigma für die verfahrene theologische Anthropologie und ein neues Verständnis für das erschließen, was „Auferstehung des Fleisches“ und „Leben nach dem Sterben“ wirklich bedeuten. Nur da, „wo keine Offenbarung ist, da wird ein Volk wild und wüst; aber wohl dem, der auf Weisung achtet!“6, lehrten schon die Weisen des Alten Bundes.

 

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1  Goethe, Faust I Nacht (599)

 

2  Brunner, Mystik I, S.89

 

3  Mt. 12,36; Röm. 14,12f

 

4  Walter Nigg, Weisheit, S. 36

 

5  W. Nigg, Weisheit, S. 12

 

6  Spr. 29,18

 

 

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